10.09.2018
Ferkelzucht in Bayern vor dem Aus?

Gabi Schmidt: Gesetzesänderung bei Ferkelkastration schadet den kleinen Ferkelzuchtbetrieben

Die Landtagabgeordnete Gabi Schmidt aus Uehlfeld kritisiert die Bundesregierung für das unbedachte Vorgehen beim Verbot von Ferkelkastrationen ohne Betäubung. Ab dem 01.01.2019 dürfen Ferkel nur noch unter Narkose kastriert werden. Notwendig ist die Kastration bei männlichen Ferkeln, weil Eberfleisch bei der Erhitzung meist einen für den Verbraucher unangenehmen Geruch entwickelt. Eberfleisch wird von den meisten Schlachtereien gar nicht angenommen, das ergaben Nachfragen Gabi Schmidts bei mehreren mittelfränkischen Schlachtbetrieben. Auch der Handel lehnt Eberfleisch als unverkäuflich ab, die Kastration aufgrund des Konsumverhaltens ist also notwendig. „Die Bundesregierung macht Gesetze, aber es fehlen praktikable Alternativen. Jetzt stehen unsere Ferkelzüchter im Regen.“, kritisiert Schmidt. Andere Wege, wie zum Beispiel die Ebermast fördern Aggressionen und verursachen Verletzungen und Verstümmelungen bei den Tieren. Auch eine Immunokastration mittels einer Impfung ist nicht ausgereift. Neben dem schlechten Baugefühl beim Verbraucher, ob der Konsum von geimpften Schweinefleisch Folgen hat, beweisen Studien eine Wirksamkeit von nur 70%.

Vor allem die Kleineren unter den 142 Ferkelerzeugern im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim wissen oftmals nicht, wie es ab 2019 weitergehen soll. Eine Anschaffung von teuren Betäubungsgeräten ist für viele schlichtweg nicht leistbar. Vielen droht daher das aus und damit gäbe weniger in Bayern und Deutschland unter hohen Tierschutzstandards aufgezogene Ferkel. Die Folge wären vermehrt Ferkelimporte und Importfleisch aus Ländern, in denen bei Aufzucht und Haltungsbedingungen schlechtere Bedingungen herrschen. Hinzu kommen mehr Tiertransporte. „Entspricht das dem Tierwohl?“, fragt Gabi Schmidt.

Sie fordert daher weiter eine vernunftorientierte und gleichzeitig schonende Methode der Kastration: Dem Landwirt soll es weiterhin ermöglicht werden, diese selbst vorzunehmen. Damit das Tier jedoch nicht unnötig leidet, mit einer lokalen Betäubung. Eine Kastration unter Vollnarkose ist mit hohen Kosten verbunden, da dazu ein Tierarzt notwendig ist. „Das führt nur dazu, dass wir Tierärzte aus Osteuropa kommen, die diese Arbeit dann im Akkord machen. Außerdem geht ein Landwirt geht mit seinen eigenen Tieren gewissenhafter um.“

Schmidt plädiert daher für mehr Vertrauen in die heimischen Landwirte: „Keiner unserer bäuerlichen Betriebe kann es sich leisten, Tiere unnötig leid zuzufügen. Das schlägt sich auf die Qualität und den Absatz nieder. Solange es für die kleinen Betriebe keine besseren und vor allem bezahlbaren Methoden gibt, muss die geplante Gesetzesänderung zum 01.01.2019 verschoben werden.“