03.08.2018
Fraktion vor Ort mit Gabi Schmidt: Ausbildung im Handwerk

Eine akademische Ausbildung bedeutet nicht automatisch einen besseren Verdienst als im Handwerk!

Deutschland geht der Nachwuchs im Handwerk aus – mit verheerenden Folgen. Während die Unternehmen sich wegen der guten Konjunktur in der Baubranche vor Aufträgen nicht mehr retten können gestaltet sich die Suche nach Auszubildenden im Handwerk immer schwieriger. So schwierig, dass Auftraggeber mittlerweile bis zu einem Jahr auf ihre Handwerker warten müssen oder Unternehmen wegen Personalmangels keine Aufträge mehr annehmen können. Statistisch gesehen gibt es in Mittelfranken für 100 Bewerber auf einen Ausbildungsplatz im Handwerk 121 offene Stellen. „Am 1. September werden in Mittelfranken wahrscheinlich wieder ungefähr 1000 Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben“, so die Uehlfelder Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt von den Freien Wählern. Viele Betriebe müssen sich daher etwas einfallen lassen und werben um jeden Azubi mit Anreizen wie einem kostenlosen Auto oder Startgeld.

Dass es auf Dauer so nicht weitergehen kann, war Tenor in einer Diskussionsrunde der Veranstaltungsreihe „Fraktion vor Ort“ der Abgeordneten Gabi Schmidt mit Handwerksunternehmern aus Mittelfranken. Bäcker- Obermeister Karl Gräf aus Seukendorf bemängelte das mittlerweile schlechte Image der Mittelschule, immerhin seien früher die meisten Auszubildenden aus dem Handwerk aus dieser Schiene gekommen. „Die Mittelschule wird seit Jahren schlecht- und kleingeredet. Der gesellschaftliche Druck hin zu einem höheren Bildungsabschluss steigt seit Jahren, mit der Folge, dass uns geeignete Auszubildende im Handwerk fehlen.“ Gabi Schmidt sieht hier Eltern und Lehrer in der Verantwortung: „Es ist selbstverständlich, dass Eltern und Lehrer nur das Beste für ihre Kinder und Schüler wollen, aber eine akademische Ausbildung bedeutet nicht automatisch einen besseren Verdienst als im Handwerk.“

Der Fliesenlegerunternehmer Jan Kempf aus Dietersheim sieht auch die Handwerksunternehmen in dder Pflicht und appelliert an die Handwerkerehre: „ Über seine eigene Arbeit entwickelt der Handwerker Selbstbewusstsein und Selbstwert. Dieses scheint aber immer weiter zu schwinden. So kann man keinen Nachwuchs für das Handwerk begeistern.“

„Bayern und Deutschland brauchen aufgrund der demografischen Entwicklung und des offensichtlichen Fachkräftemangels den Zuzug hochqualifizierter junger Menschen.“, so Schmidt. Sie fordert daher ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem oder australischem Vorbild über ein Punktesystem. In dieses Punktesystem müssten unter anderem Kriterien wie Mindestkenntnisse der deutschen Sprache, Mindeststandards der beruflichen Qualifikation, das Alter der Bewerber sowie ein in Aussicht gestellter Arbeitsplatz mit einfließen.

Schmidt sieht es als notwendig an, Handwerk und Schulen besser miteinander zu vernetzen. Mehr Lehrlingsausbildungstage für das Handwerk könnten dabei helfen, wieder vermehrt junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. Außerdem fordern die Freien Wähler verpflichtende Praktika auch in weiterführenden Schulen einzuführen, um auch diese Bildungsschichten zu erschließen. Auch im Bereich der Berufsorientierung müsse nachgebessert werden, so Schmidt: „Eine bedarfsgerechte Berufsberatung an Schulen kann mehr junge Menschen in eine Ausbildung im Handwerk bringen. Dafür braucht es mehr Zeit - und das geht nur mit mehr Haushaltsmitteln von Seiten der Staatsregierung.“