14.08.2017
Gabi Schmidt: Angebot ausbauen

Abgeordnete informiert sich über Selbsthilfekontaktstelle

Im hiesigen Landkreis gibt es aktuell 35 Selbsthilfegruppen, die von der Selbsthilfekontaktstelle beim Caritasverband in Neustadt betreut werden. „Zwar existieren einige Gruppen, die unsere Unterstützung nicht in Anspruch nehmen möchten und die lieber ganz unter sich bleiben. Insgesamt dürften wir damit aber einen guten Überblick über das Angebot in der Region haben und Ratsuchende gut beraten können“, führt Büroleiterin Gudrun Hobrecht im Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Gabi Schmidt (FW) aus. Seit 2004 ist die Sozialpädagogin (FH) Ansprechpartnerin im Selbsthilfebüro. Ihr Engagement wird überregional gewürdigt und hat ihr in diesem Jahr sogar die Berufung in den Landesvorstand des Vereins Selbsthilfekontaktstellen Bayern eingebracht. Darüber freuen sich auch Caritas-Geschäftsführer Gerhard Behr-Rößler und Caritas-Vorsitzende Sabine Herderich, die ebenfalls am Gespräch teilnahmen: „Das ist eine Anerkennung der hochwertigen Arbeit, die hier im Selbsthilfebüro geleistet wird. Mit relativ kleinem Aufwand kann vielen Menschen schnell und unkompliziert geholfen werden.“ Lediglich 10 Stunden Einsatz wöchentlich fördern dabei die Krankenkassen. „Wenn man bedenkt, dass die Selbsthilfegruppen ab und zu besucht und vor Ort begleitet werden müssen, ist das für einen Flächenlandkreis natürlich zu wenig“, findet Gabi Schmidt. In anderen Regionen sei es üblich, dass Kommunen die bestehende Finanzlücke füllen. Auch in Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, wo der Zuschuss des Landkreises lediglich 1000 Euro pro Jahr beträgt, sollte über eine höhere Beteiligung nachgedachtet werden.

Schließlich erziele das Selbsthilfebüro einen Mehrwert für den Landkreis, der kaum bezifferbar sei. „Jeder, der selbst schwer krank ist oder beispielsweise einen schweren Schicksalsschlag erfahren hat, wird über die befreiende und sogar therapierende Wirkung von Selbsthilfegruppen berichten können“, weiß Schmidt. Der regelmäßige Austausch mit Gleichgesinnten sei oft der Anfang auf dem Weg zur Besserung oder erleichtere es Betroffenen, bei der Stange zu bleiben, gerade nach akuten Krisen oder Krankheiten. Das Selbsthilfebüro unterstützt dabei unter anderem durch die Vermittlung von Interessierten in bestehende Gruppen oder durch Beratung bei der Gründung neuer Gruppen. „Das ist im ländlichen Raum eine große Herausforderung, da oft die fehlende Anonymität bemängelt wird. Solche Fälle vermitteln wir auch gerne in die größeren Nachbarstädte wie Nürnberg oder Würzburg“, erklärt Hobrecht. In ihrer Amtszeit hätte sie die Gründung von ca. 20 Gruppen begleitet. Ebenso viele seien auch eingestellt worden, zuletzt die „Parkinson-Gruppe“, die nur für zehn Monate bestand.

Daneben gibt es aber auch Dauerbrenner wie die Rheumaliga, Dry (Suchtkranke) oder MS-Betroffene, die auf ein langjähriges Bestehen zurückblicken könnten. Insgesamt besteht im Landkreis ein enges Selbsthilfegruppen-Netzwerk, das thematisch von Alleinerziehenden bis zur Depression reicht. Für die Gruppen in der Region werden durch das Selbsthilfebüro auch Räume und Referenten vermittelt und Fortbildungen organisiert. „Würde es die Selbsthilfekontaktstellen nicht schon geben, man müsste sie erfinden“, so das abschließende Fazit der Landtagsabgeordneten die hofft, dass noch mehr Betroffene bei Bedarf das Angebot annehmen und den Mut und die Kraft zum Gespräch aufbringen.