03.08.2017
Gabi Schmidt: Bayern vernachlässigt Kampf gegen HIV/AIDS

Christopher Street Day in Nürnberg

Zahlreiche Menschen aus der gesamten Metropolregion werden am Samstag nach Nürnberg fahren, um den Christopher Street Day zu feiern. Ziel ist wie immer: die Akzeptanz für Schwule und Lesben zu erhöhen. Für Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt (FW) eine gute Gelegenheit, um an die Gefahren von HIV/AIDS zu erinnern. Schließlich schätzt das Robert Koch-Institut in Berlin, dass in Bayern zuletzt 10.000 Menschen mit HIV infiziert waren, 80 Prozent davon sind Männer. Als häufigster Infektionsweg wird dabei der sexuelle Kontakt zwischen Homosexuellen genannt. Allein im vergangenen Jahr gab es 568 neu-diagnostizierte HIV-Infektionen in Bayern, davon immerhin 84 in Mittelfranken. „Einer der seltenen Lichtblicke in der Statistik ist der Rückgang der HIV-Neuinfektionen bei Männern, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben. Die Zahl der Fälle schrumpfte hier von über 600 im Jahr 1985 auf ca. 300 in den vergangenen Jahren. Maßnahmen wie die psychosozialen AIDS-Beratungsstellen und die HIV/AIDS-Selbsthilfe waren also durchaus erfolgreich und allen Mitarbeitern und Helfern ist zu danken“, findet Schmidt.

Gleichzeitig beklagt die Abgeordnete, dass das Engagement Bayerns bei der Bekämpfung von HIV/AIDS zuletzt stark nachgelassen hat. Dies sei vor allem festzumachen an den kontinuierlich sinkenden Haushaltsmitteln. Nach Auskunft der Staatsregierung fiel der Betrag von 7,3 Millionen im Jahr 1990 auf ca. 3,5 Millionen im Jahr 2016. „Ich hoffe sehr, in der Halbierung der Mittel spiegelt sich nicht das halbierte Interesse der Ressortchefin wider“, meint Schmidt, die die Zahlen mit Hilfe einer parlamentarischen Anfrage ermittelte. „Anstatt hier weiter am falschen Ende zu sparen, sollte Bayern seine HIV/AIDS-Angebote neu justieren und ausbauen.“ Mögliche Schwerpunkte sollten in einer nochmals besseren Informations- und Aufklärungspolitik bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, einer weiteren Förderung der Testbereitschaft sowie im Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung gelegt werden. Immerhin hat die Staatsregierung den Änderungsbedarf erkannt und angekündigt, bis Ende 2017 ein Konzept zur Neuausrichtung und Strukturierung der bayerischen Anti-AIDS-Politik vorzulegen. „Durch den medizinischen Fortschritt ist es gelungen, dass HIV-positive Menschen so behandelt werden können, dass sie eine weitgehend reguläre Lebenserwartung haben. Auch leiden Infizierte nicht mehr so stark wie früher unter dem Stigma. In Zukunft müssen wir dafür sorgen, dass die Zahl der Neuinfektionen endlich wieder dauerhaft zurückgeht. Dafür ist eine niedrigschwellige, zielgruppenspezifische Ansprache vor Ort unverzichtbar“, merkt Schmidt abschließend an.