05.07.2017
Gabi Schmidt: Imker und Landwirte müssen sich zusammentun

Großes Interesse an „Fraktion vor Ort“ der Freien Wähler

„Statt sich weiterhin das Leben gegenseitig schwer zu machen, sollten Imker und Bauern mehr miteinander sprechen und gemeinsame Lösungen finden. Schließlich sind sie voneinander abhängig“, fassen die gastgebenden FW-Abgeordneten Gabi Schmidt und Johann Häusler die wichtigste Botschaft des Abends zusammen. Unter dem Titel „Bienen schützen – Bauern stärken“ hatte die Freie Wähler Landtagsfraktion nach Oberreichenbach eingeladen, nicht zuletzt um zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. In der Vergangenheit hatte es auch in der Region Konflikte gegeben, wobei die Imker den Landwirten den übergroßen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und den Anbau von Monokulturen vorwerfen. „Wir machen das nicht zum Spaß, wir müssen zunächst einmal Geld verdienen“, verdeutlichte der Obmann des Bauernverbands im Landkreis Erlangen-Höchstadt, Robert Ort. Der Berufsstand sei getrieben von Marktmechanismen und von der Regulierung durch den Gesetzgeber. Auch der Klimawandel müsse bei der landwirtschaftlichen Planung berücksichtigt werden.

Striktere Regeln für die Landwirtschaft forderte Matthias Rühl, der Vorsitzende der Imker im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Aus eigener Erfahrung berichtete er vom Bienensterben und bezifferte die Verluste auf durchschnittlich 20 bis 30 Prozent im Winter: „Bei jedem anderen Nutztier würde die Öffentlichkeit bei solchen Zahlen aufschreien, bei der Biene nimmt man das so hin.“ Im Verzicht auf Mittel wie Glyphosat und in der Umstellung auf Bio-Landwirtschaft sieht Rühl die einzige Chance auf ein gutes Miteinander. So weit wollte der Bienenexperte Martin Rumpf von den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf nicht gehen. Sicherlich gelte es, Pflanzenschutzmittel besser zu erforschen und insektenfreundlicher zu machen. Auch müsste der Bauer die Anwendungsregeln einhalten und beispielsweise den Bienenflug berücksichtigen. Allerdings würden viele Felder ohne Behandlung nicht gedeihen und damit stünden die Sammlerinnen wieder ohne Nahrung da. Der Referent betonte nochmal die Bedeutung der Bienen (Hauptbestäuber bei zahlreichen Obst- und Gemüsesorten; erzeugt wirtschaftlichen Nutzen in Höhe von 2 Milliarden Euro pro Jahr) und erinnerte daran, dass auch Faktoren wie die Varroamilbe und die zum Teil schlechte Fachkenntnis bei manchem Imker für den Bienenrückgang verantwortlich sind.

Bessere Rahmenbedingungen forderte daher Johann Häusler, seinerseits Agrarexperte der FW-Landtagsfraktion. „Die Bauern stehen unglaublich unter Druck. Einerseits sollen sie hochwertige Lebensmittel zu günstigen Preisen erzeugen. Andererseits sollen sie gleichzeitig die Landschaft pflegen, Naturräume bereitstellen und unsere Ressourcen schonen. Letzteres können Landwirte nicht verkaufen, darum muss der Staat hier engagierter einspringen.“ Entsprechende Programme gebe es zwar schon, beispielsweise das KULAP. „Das reicht aber vorne und hinten nicht.“ Die Politik müsse dafür sorgen, dass die Bauern ein Stück weit vom Wachstumsdruck befreit werden und auch kleineren Höfen eine Überlebenschance sichern. Dazu gehöre beispielsweise die bessere Förderung für die Anschaffung neuer, insektenfreundlicher Technologien wie der Dropleg-Düsentechnik oder von alternativen blühenden Energiepflanzen.

In ihrem Schlusswort hielt Gabi Schmidt fest, dass jedenfalls unter den Anwesenden aus ihrer Sicht eine Annäherung erreicht worden sei. „Vielleicht sollte jede Gemeinde regelmäßig runde Tische mit den lokalen Imkern und Bauern organisieren, wo sich die Beteiligten kennenlernen und Vertrauen aufbauen können“, regte die Abgeordnete an. Oft könnten konkrete Probleme dann unbürokratisch vor Ort gelöst werden. Neben den genannten Stellschrauben, an denen die Politik drehen muss, sei das gegenseitige Verständnis für ein gutes Miteinander entscheidend. „Darum werden wir uns auch dafür einsetzen, dass Bienenhaltung verpflichtend in der landwirtschaftlichen Ausbildung verankert wird.“