29.05.2017
Gabi Schmidt schlägt Finanzierungsmöglichkeit für Gründerzentrum vor

Landtagsabgeordnete im Gespräch mit IHK Ansbach

Nachdem das digitale Gründerzentrum, wie es die Förderrichtlinien des Bayerischen Wirtschaftsministerium vorsehen, in dieser Form im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim nicht umsetzbar ist, sollte zeitnah ein alternatives Konzept zur Stärkung der Region Westmittelfranken vorgelegt werden. Daran erinnerte Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt, Freie Wähler, in einem Gespräch mit Karin Bucher, Leiterin der für die Region zuständigen IHK-Geschäftsstelle in Ansbach. „Ich möchte nicht, dass das Thema in Vergessenheit gerät, wie beispielsweise beim angedachten Hochschulstandort Neustadt/Aisch. Hier wurde vor der letzten Wahl viel diskutiert und inzwischen ist es still um das Projekt geworden“, kritisiert Schmidt und führt aus: „Unsere Region ist geprägt von Handwerk und Mittelstand. Anstelle eines digitalen Gründerzentrums und zusätzlich zu einer möglichen Forschungseinrichtung für Gesundheitswirtschaft in Bad Windsheim sollte daher die Einrichtung einer allgemeinen Einrichtung zur Unterstützung von Unternehmensgründungen auf den Weg gebracht werden.“

In einem gleichlautenden Schreiben an Wirtschaftsministerin Ilse Aigner begründet die Abgeordnete den Vorschlag mit dem „erheblichen Verbesserungsbedarf“, der im Landkreis in Sachen Neugründungen besteht. So bildete Neustadt/Aisch-Bad Windsheim in den vergangenen 13 Jahren mittelfrankenweit zwölf Mal das Schlusslicht in dieser Statistik. Geld wäre im Übrigen prinzipiell da. Mitte der 90er Jahre hat der Freistaat Bayern im Rahmen des aus Privatisierungserlösen getragenen Programms „Offensive Zukunft Bayern“ an 23 Standorten in überwiegend strukturschwachen Gebieten die Errichtung allgemeiner Existenzgründerzentren gefördert. Von den ausbezahlten Mitteln mussten die geförderten Kommunen 1,107 Millionen zurückbezahlen. „Dies würde reichen, um zunächst ein Zentrum im Umfang der bestehenden Zentren in Kronach oder Neu-Ulm zu errichten. Da sich der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim im Raum mit besonderem Handlungsbedarf befindet, sollte die staatliche Förderhöhe auf mindestens 90 Prozent festgesetzt werden, der kommunale Anteil sollte so gering wie möglich bleiben“, fordert Schmidt. Mit Kempten, Nürnberg, Passau, Schweinfurt, Ingolstadt, Hof, Bamberg und Bad Kissingen hätten viele Kommunen doppelt von staatlicher Gründungsunterstützung profitiert. Sie hätten in den 90ern ein „allgemeines“ und zuletzt ein „digitales“ Gründerzentrum erhalten. „Das ist ungerecht und dadurch verlieren wir weiter an Boden“. 

Weiteres großes Gesprächsthema war die Situation der Ausbildungsberufe in Mittelfranken. Trotz Trends wie der zunehmenden Akademisierung und der demographischen Entwicklung konnten zuletzt erfreulicherweise weiter leicht steigende Ausbildungszahlen in der Region beobachtet werden. Leider konzentriere sich der Anstieg auf bestimmte Ausbildungsberufe wie Kaufmann, Kfz-Mechatroniker oder Mechaniker. Nachwuchssorgen gibt es vor allem in der Gastronomie und bei den Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk. „Hier müssen wir sicher gemeinsam mit den Betrieben an einem besseren Image und an besseren Berufsbedingungen arbeiten“, meint Bucher. Auch in Schule und öffentlichem Diskurs müsse besser informiert werden: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass manche Lehrer mit der Ausbildung zum Koch drohen, wenn die Kinder schlechte Noten schreiben. Das sind alles ehrenwerte Berufe, die großes Fachwissen verlangen und in denen man es weit bringen kann“, so das Fazit von Schmidt.