19.05.2017
Schmidt fordert mehr Plätze in Kinder- und Jugendpsychiatrie

Landtagsabgeordnete bei Gespräch in Uni-Klinik Erlangen

Jedes fünfte Kind in Deutschland weist Auffälligkeiten in seinem Erleben  und Verhalten auf, viele davon für eine ungewöhnlich lange Dauer. Jedes zehnte Kind leidet sogar an einer behandlungsbedürftigen kinder- und jugendpsychiatrischen Störung. Immer noch viel zu selten holen sich Eltern dann professionelle Hilfe. „Haben Kinder eine Grippe oder Fieber, werden sie selbstverständlich zum Haus- oder Kinderarzt gebracht. Bei seelischen Wunden wird der Weg zum Spezialisten leider immer noch gemieden, dabei könnte bei einer frühen Behandlung so oft Schlimmeres verhindert werden“, stellt Prof. Dr. Gunther Moll fest. Der Leiter der Kinderpsychiatrie am Uni-Klinikum Erlangen hat Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt (FW) empfangen, um über die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu sprechen. Ganz wichtig ist ihm, dass endlich mit einem gesellschaftlichen Tabu gebrochen wird: „Nur ein Viertel der Kinder und Jugendlichen mit psychischen Störungen finden den Weg zum Facharzt. Hier ist mehr Akzeptanz und Aufklärung nötig. Schließlich verschwinden die Probleme nicht mit dem Erwachsenwerden, sondern verschärfen sich eher.“ Dabei hat Moll Werbung in eigener Sache keinesfalls nötig. So müssen Kinder vom Erstkontakt bis zur gegebenenfalls notwendigen stationären Aufnahme durchschnittlich drei bis vier Monate auf ihren Behandlungsplatz in der Klinik warten.

„In Bayern ist die Nachfrage nach Plätzen in der Kinderpsychiatrie viel größer als das Angebot. Wir brauchen flächendeckend mehr Kapazitäten“, fordert Schmidt. Derzeit existieren im Freistaat 639 Betten, davon 123 in Mittelfranken. Weitere 149 Betten seien landesweit bedarfsplanerisch bereits genehmigt, aber noch nicht in Betrieb. „Wir müssen Druck machen, damit die versprochenen Betten schnell im Einsatz sind. Mittelfristig wird das aber auch nicht reichen und wir werden um die Einrichtung weiterer Plätze nicht herumkommen.“ Dem stimmt auch Moll zu, der einen wachsenden Bedarf für die Zukunft erwartet: „Der Druck auf die Kinder nimmt stetig zu und die Erwartungen vor allem in der Schule steigen immer weiter an. Gleichzeitig bietet das soziale Umfeld immer weniger Halt.“ Eine schnelle Lösung kann freilich auch die Abgeordnete nicht versprechen: „Leider ist das Thema wenig populär und im Landtag beschäftigten sich nur wenige Abgeordnete damit.“ Umso wichtiger sei das Engagement der Ärzte und Beschäftigten, denen sie empfiehlt, der Staatsregierung regelmäßig über den Umfang der Wartelisten zu berichten. Ein Vorschlag, den die ebenfalls am Gespräch beteiligten Oberärzte Dr. Oliver Kratz und Dr. Susanne Wangler gerne umsetzen möchten.   

In Erlangen ist die „Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit“, so der offizielle Name, unterteilt in eine Institutsambulanz, eines Tagesklinik mit 20 Behandlungsplätzen und eine Station mit 32 Betten. Weitere genehmigte acht Familientagesklinikplätze sowie acht Betten für eine Station zur Behandlung von Traumafolgestörungen sollen nach dem vollständigen Ausbau der zweigeschossigen Stationsaufstockung in Betrieb genommen werden. Die Patienten stammen hauptsächlich aus dem gesamten mittelfränkischen Raum und vereinzelt auch aus benachbarten Bezirken.