05.06.2021
Gabi Schmidt über Organspenden: "Viele wollen sich mit dem Thema nicht beschäftigen"

Landtagsabgeordnete wirbt am Tag der Organspende für die Widerspruchslösung.

Uehlfeld. Etwa 9000 Menschen stehen in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Manche von ihnen warten lange Zeit - für jährlich einige Hundert Frauen, Männer und Kinder kommt die Hilfe sogar zu spät, sie sterben, bevor ein passendes Organ zur Transplantation zur Verfügung steht. „Das muss nicht sein“, sagt die Landtagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Freie Wähler Landtagsfraktion, Gabi Schmidt, anlässlich des Tages der Organspende am 5. Juni. Sie spricht sich seit Jahren für die Einführung der Widerspruchslösung aus.

Bislang gilt in Deutschland die Entscheidungslösung: Als Spender von Organen und Gewebe  kommt nach dem Tod nur in Frage, wer zu Lebzeiten diesen Willen aktiv dokumentiert hat oder wessen Angehörige der Transplantation zugestimmt haben. Die Folge: Die Transplantationszahlen in Deutschland sind im Vergleich zu anderen Ländern relativ niedrig. „Unsere Nachbarn in Österreich setzen hingegen auf die Widerspruchslösung, die 1978 vom Europarat als Regelung zur Organentnahme bei Verstorbenen empfohlen wurde. Mit dieser Lösung werden mehr Leben gerettet“, sagt Schmidt. Zur Spende „gezwungen“ werde dabei freilich keiner: „Man kann der postmortalen Entnahme selbstverständlich widersprechen, muss das aber eben aktiv tun.“

In Deutschland, davon ist die Abgeordnete überzeugt, ist die Spendenbereitschaft prinzipiell nicht kleiner. „Doch viele wollen sich mit dem Thema nicht beschäftigen und schieben die Entscheidung, einen Organspendeausweis auszufüllen, vor sich her“, so die Abgeordnete. Andere hätten sich zwar in der Theorie für eine Entnahme entschieden, diesen Willen aber nicht dokumentiert. Auch mangelnde Aufklärung und dadurch unberechtigte Ängste in Bezug auf die Organentnahmen seien nach wie vor ein Thema. Sie plädiert deshalb nach wie vor dafür, die Gesetzgebung in Deutschland anzupassen.

Bis es soweit ist, wirbt sie für das Ausfüllen von Organspendeausweisen. Bisweilen tut sie das gemeinsam mit Andreas Scholz aus Gerhardshofen, der selbst organtransplantiert ist. Um die entsprechenden Ausweise unter die Menschen zu bringen, ist sie auch selbst tätig geworden: Auf ihrem Grundstück in Voggendorf, direkt am beliebten Aischtalradweg gelegen, hat sie einen wetterfesten Prospektständer aufgestellt, aus dem sich jeder Interessierter einen Spenderausweis zum Ausfüllen entnehmen kann.

Gabi Schmidt nutzt den diesjährigen Tag der Organspende aber auch, um denjenigen, die bereits ein Organ erhalten haben, viel Gesundheit zu wünschen. Denn für sie sei die Corona-Pandemie eine besondere Belastung, da die Covid 19-Impfungen bei Transplantierten, die dauerhaft immunsupprimierende Medikamente nehmen müssen, eine geringere Wirkung erziele.