27.07.2021
Gabi Schmidt: Wir brauchen eine Lösung für nicht versicherbare Gebäude

Landtagsabgeordnete bringt Solidarversicherung ins Spiel - und kritisiert das Neustadter Landratsamt wegen der Bearbeitung der Anträge auf Soforthilfe.

Uehlfeld. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sind rund 99 Prozent der Wohngebäude in Bayern ohne Probleme gegen Hochwasserschäden versicherbar. Doch nach Ansicht der Landtagsabgeordneten Gabi Schmidt (Freie Wähler) ist diese Zahl irreführend, weil in diese Zahl eben auch alle Städte und Orte ohne Fließgewässer eingerechnet sind. „In den Hochwassergebieten schaut das schon ganz anders aus“, so Schmidt. Sie fordert nun, dass für das restliche eine Prozent der Wohngebäude, die nicht oder nur gegen einen utopischen Beitrag zu versichern sind, eine Lösung gefunden wird. „Möglicherweise brauchen wir hier eine Solidarversicherung, in die alle einzahlen müssen, also auch die nicht hochwassergefährdeten Großstädter“, so die stellvertretende Vorsitzende der Freie Wähler-Landtagsfraktion.

Es gebe eben gerade auf dem Land Menschen, deren Gebäude wirtschaftlich nicht versicherbar seien. „Für diese Fälle brauchen wir eine Lösung. Mit dem Finger auf vermeintliche Versicherungsmuffel zu zeigen, bringt uns da wirklich nicht weiter. Es gibt Gebäude, die kann man einfach nicht versichern“, sagt Schmidt.

Kritik übt sie in diesem Zusammenhang am Verhalten des Landratsamtes Neustadt/Aisch-Bad Windsheim in Bezug auf die Beantragung der Soforthilfe. „Mir wurde mehrfach berichtet, dass die Geschädigten ihren Anträgen mehrere Mitteilungen von Versicherungsunternehmen beilegen müssen, dass ihre Gebäude nicht versicherbar sind. Wohlgemerkt mehrere Mitteilungen, die Ablehnung durch ein einzelnes Unternehmen reicht nicht aus.“

Sie könne dieses Vorgehen der Kreisverwaltungsbehörde nicht nachvollziehen, schrieb Schmidt auch in einem Brief an Landrat Helmut Weiß. „Es ist empathielos und überzogen, weil es sich hierbei um Menschen handelt, die ihr Hab und Gut verloren haben und möglicherweise traumatisiert sind“, so Schmidt. Es widerspreche ebenfalls der Vorgabe des Gesetzgebers, dass den Menschen schnell und unbürokratisch geholfen werden solle. „Wenn ein Gebäude bei einem Versicherer als nicht versicherbar gilt, ist die Nicht-Versicherbarkeit aus meiner Sicht hinreichend nachgewiesen. Zu berücksichtigen ist außerdem der Umstand, dass manche Gebäude nur gegen utopische Beträge zu versichern sind und manche Absagen nur mündlich und nicht schriftlich mitgeteilt werden – das wäre für das Landratsamt durch einen kurzen Anruf bei einer Versicherungsagentur auch selbst herauszufinden“, schrieb Schmidt.